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GONZE & SCHÜTTLER - DIE BERATER AG
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Die nachfolgenden Links, Infos + Texte stellen keine Rechtsberatung dar. Bei Erstellung der Texte haben wir uns bemüht, eine auch für Nichtsteuerfachleute verständliche Ausdrucksweise zu wählen. Dies geht teilweise zu Lasten einer am Gesetzeswortlaut orientierten Präzision. Für die Inhalte kann trotz größtmöglicher Sorgfalt keinerlei Gewähr übernommen werden. Bitte sprechen Sie über Konkretes mit dem Berater Ihres Vertrauens oder gerne auch mit uns.

Private PKW-Nutzung von Firmenfahrzeugen

Nachweis des betrieblichen Nutzungsanteils über 50 %

Pkw die weniger als 10% betrieblich genutzt werden, gehören grundsätzlich zum Privatvermögen. Bei Fahrzeugen die 10% aber weniger als 50% betrieblich genutzt werden kann eine Zuordnung zum Betriebsvermögen als gewillkürtes Betriebsvermögen erfolgen (umsatzsteuerlich). Pkw die zu mehr als 50% betrieblich genutzt werden gehören zum Betriebsvermögen.

Die Anwendung der 1%-Regelung zur Besteuerung der privaten Nutzung von Firmen-Pkw setzt gem. §6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG in Verbindung mit § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG eine mehr 50%ige betriebliche Pkw-Nutzung voraus.

Wie kann der betriebliche Nutzungsanteil von mehr als 50% nachgewiesen werden?

Der Unternehmer ist gefordert, möglichst noch vor dem Kauf eines Firmenfahrzeuges den privaten/geschäftlichen Nutzungsanteil überschlägig, aber nachvollziehbar und plausibel zu schätzen. Nach der Anschaffung kann der Nachweis durch ein Fahrtenbuch oder andere Aufzeichnungen geführt werden. Die Fahrten des Unternehmers zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sind bei der Berechnung des betrieblichen Anteils mit einzubeziehen.

Beispiel einer groben Schätzung vor dem Fahrzeugerwerb:

Geschätzte Dienstfahrten zu Lieferanten, Post, Bank etc. je Woche = 200Km x 48 =  9.600 km
Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte: 220 Tage x 24km Hin+Zurück =  5.280 km
Summe betrieblicher Fahrtkilometer:   14.880 km
   
Geschätzte Privatfahrten: 125 km je Woche  x 48  6.000 km
Urlaubsfahrten    2.000 km
Summe privater Fahrten:  8.000 km
   
Gesamte Kilometerleistung je Jahr geschätzt:  22.880 km
Betrieblicher Nutzungsanteil:  14.880 / 22.880 x 100 =  65,03 %

Im Beispielfall kann das Fahrzeug als Firmenfahrzeug zugeordnet werden.

Soweit hier kein Fahrtenbuch geführt wurde, können auch anderes Unterlagen zur Berechnung / sachgerechte Schätzung des betrieblichen Nutzungsanteils herangezogen werden. Die Jahresgesamtfahrleistung lässt sich anhand der Tachostände am Jahresanfang/Jahresende oder durch Hochrechnungen anhand der KM-Stände lt. Reparatur- und Inspektionsrechnungen ermitteln. Für die Geschäftsfahrten können die Daten auch aus Terminkalendern und sonstigen Aufzeichnungen entnommen und zusammengefasst werden. 

Beispiel:                KM-Stand lt. Werkstattrg. am 15.01.2008                50.000

                             KM-Stand lt. Werkstattrg. am 31.03.2009                74.600

                             Gefahrene Kilometer in 435 Tg.                                24.600

                             Rg.: 24.600 : 435 x 360

                             Jahreskilometerleistung bei 360 Tagen                    20.358

Ermittlung der betrieblichen Nutzung
Fahrten Wohnung/Arbeitsstätte: Hin + Zurück 24 km X 220 Arbeitstage                    5.280
Geschäftsfahrten lt. Aufzeichnungen zu Kunden, Banken, Post, Lieferanten etc.
in 12 Monaten                                                                                                            8.360
Summe KM betriebliche Nutzung                                                                              13.640
Rg.: 13.640 : 20.358 x 100 = 67 %

Die betriebliche Nutzung beträgt in diesem Beispiel 67 %. Somit kann die Besteuerung der privaten Nutzung im Rahmen der 1-%-Regelung weiter angewendet werden. Das Fahrzeug gehört zum notwendigen Betriebsvermögen. 

Die vorstehende Berechnung ist bei Berufen mit typisch hohen Fahrtaufwendungen wie Handelsvertreter etc. entbehrlich.

Link: §6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG in Verbindung mit § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG

Wichtig: Was passiert wenn sich der private Nutzungsanteil bei einem Fahrzeug ändert, dass dem Betriebsvermögen (Firmenfahrzeug) zugeordnet wurde?

Problematisch wird es, wenn die betriebliche Nutzung dauerhaft unter 10% fällt. In diesem Fall scheidet das Wirtschaftsgut "Pkw" zwangsläufig aus dem Betriebsvermögen aus und wird zum Privatvermögen (EStR 4.3 Abs. 3 Satz 4 EStR 2012). Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes ist jedoch ein vorübergehendes Absinken unter die 10 %-Grenze unschädlich (BFH-Urteil vom 21.8.2012, VIII R 11/11, BStBl. 2013 II S. 117). Art und Umfang der betrieblichen Nutzung sollten demgemäß jedes Jahr neu überprüft werden. Dies insbesondere bei nachlassender Geschäftstätigkeit oder im Zeitraum der Betriebsaufgabe bzw. Einstellung der selbstständigen Tätigkeit. 

Art und Umfang der betrieblichen Nutzung muss demzufolge am 31.12. jedes Jahres neu überprüft werden.

Dieter P. Gonze, Steuerberater

4.9.2015 

Aktualisiert (09. September 2015)

 

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